·    
change to english

FAQ zum versalen Eszett

Da uns immer wieder zahlreiche Anfragen und Kommentare zu diesem Buchstaben erreichen, haben wir nach reiflichen Überlegungen beschlossen, bei German Type Foundry eine Seite mit Fragen und Antworten einzurichten, die endlich Klarheit zu diesem zukünftigen Buchstaben schaffen wird. Denn eines ist schon heute sicher: dieser neue Buchstabe hat schon jetzt mehr Staub aufgewirbelt als die Einführung der Buchstaben W/w und U/u, die wir heute gar nicht mehr missen möchten.

 

Dieser neue Buchstabe polarisiert und mittlerweile geht ein tiefer Riss quer durch deutsche Lande. Auf der einen Seite die absoluten Befürworter der Methode des »Tabula rasa«, die angestachelt durch das versale Eszett die Abschaffung aller anderen Eigentümlichkeiten deutscher Schriftsprache fordern (ä, ö und ü durch ae, oe und ue zu ersetzen; Großbuchstaben zu eliminieren und - wo machbar - auch auf Zeichensetzung), um der Amerikanisierung Globalisierung nicht länger im Wege zu stehen.

 

Die andere Fraktion möchte nun sogar den Klammeraffen (@) und die Ziffern von 0 bis 9 als Minuskeln einführen oder (auch dieser Wunsch wurde geäußert) gänzlich neue Buchstaben z.B. für ch, sch, ff, fi, tz oder gar st schaffen. Das hieße jedoch das Kinde mit dem Bade ausschütten und da dies bekanntlich schmerzhaft ist, raten wir auch dieser Gruppe zur Mäßigung. Zumal etliche der genannten Buchstaben bereits erfunden wurden.

 

Zahllose Kommentare, die oft den Rahmen des guten Geschmackes und der Verhältnismäßigkeit weit überschritten, begleiteten alle (!) entsprechenden publizierten Artikel. Es wurde aber ebenso offenbar: dieses Thema bewegt uns Deutsche. Mehr als uns vielleicht lieb ist. Und das wiederum sollte uns allen zu denken geben!

 

Wir bei GTF schöpfen aus diesem Punkt große Hoffungen. Zeigt es uns doch, dass Schrift emotionalisieren kann - und das hätten wir in der Tat nicht mehr für möglich gehalten.

 

Eine frappierende Gemeinsamkeit fast aller Artikel war auffallend: die im Artikel von Heise online falsch genannte Uni-Kodierung 0x1E9C ist von allen nachfolgenden Artikeln - die in einer wahren Flut das beginnende Sommerloch zu füllen versuchten - erschreckenderweise übernommen worden. Absicht? Dient dies der Irreführung des Feindes? Wir sind ratlos.

 

Einen dieser Artikel, der am 23. Mai 2007 in der »Sächsischen Zeitung« erschienen ist, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, da er ein Schlaglicht auf die Recherchefähigkeit und Intensität der Journalisten wirft. Ein Klick vergrößert die Abbildung und lässt Sie sicher vor den professionellen Abbildungen des neuen Buchstaben erschaudern und den grandios formulierten Text lesen; der Fuß gehört übrigens Herrn Seidel und wurde unmittelbar nach einem FUßBAD vor lauter SPAB aufgenommen, Ihnen zum GRUß. 

 

SZ Sächsische Zeitung vom 23.05.2007

Abbildung linkt zu flickr

--------

Frage:
Es gibt keinen Buchstaben "ß"!
(Herr K. aus F.)

 

Antwort:
Oh. Ist uns noch gar nicht aufgefallen...

--------

Frage:
Ich muss gestehen, dass ich etwas irritiert bin, in Ihrer Anzeige zum großgeschriebenen Eszett sowohl Rossberg als auch Basssaite mit einem ß und nicht mit ss gelesen zu haben. Meines Erachtens entspricht dies nicht der gültigen Rechtschreibreform.
(Herr S. aus T.)

 

Antwort:
Zuerst - wir haben keine Anzeige zum Eszett veröffentlicht. Wir haben kein Patent darauf und wir haben es leider nicht mal erfunden. Die Vorarbeit für den Antrag bei der ISO-Kommission hat Herr Stötzner eingereicht. Er hat zusammen mit Frau Uta Stötzner und Herrn Poschenrieder ein Heft herausgegeben, in dem erschöpfend die Beweggründe zu diesem Buchstaben geschildert werden.

Und zweitens - die genannte Grafik wurde von unserem Designer Andreas Seidel geschaffen. Herr Seidel ist etwas träge, was die ständigen Änderungen der deutschen Rechtschreibung angeht. Er haushaltet mit seiner Energie auf bemerkenswerte Weise: Lieber verwendet er das ß (mit einem Anschlag auf der Tastatur), als dass er zweimal die Taste s betätigt.

--------

Frage:
Warum hat man diesen Buchstaben nicht bei der Rechtschreibreform gleich mit abgeschafft. Die Schweizer kommen doch auch ohen das Eszett aus. Das ß ist doch unnötig und sieht auch noch hässlich aus.
(Herr B. aus J.)

 

Antwort:
Schauen Sie sich bitte die nachfolgende Grafik an und Sie werden verstehen, warum man in anderen Ländern vor Neid gegenüber den Deutschen erblasst. Die haben lediglich eine, maximal zwei Wörterbücher, aus denen sie wählen können. Die deutschsprachigen (oder deutsch Sprachigen?) haben derer fünf! Und wenn Sie die Einhaltung einer Reform anmahnen, welche meinen Sie...?

Sprachauswahl InDesign CS 4

Sprachauswahl bei InDesign CS3 

--------

Frage:
Es gibt im Deutschen kein einziges Wort, welches mit ß als Großbuchstaben erfordert!
(Herr L. aus !)

 

Antwort:
Auch das ist uns so noch gar nicht aufgefallen. Aber wenn Sie es so schreiben, fällt es uns doch glatt wie Schuppen in die Augen. Sie haben Recht...

--------

Frage:
Die ISO-Arbeitsgruppe hat anscheinend den ganzen Tag nix zu tun?
(gleicher Herr wie zuvor)

 

Antwort:
Sollten wir also mal die chinesische Abordnung der ISO-Arbeitsgruppe fragen, was die eigentlich hier in Frankfurt zu schaffen hatten. Wollten die in Deutschland billig shoppen gehen? Etwa Buchstabensuppe - oder sowas?

--------

Frage:
Warum die Font-Firmen dafür sind: Man muss sich neue Schriften und somit Schriftlizenzen zulegen. Die vorhandenen Schriftlizenze können nicht mehr genutzt werden weil ein Bichstabe fehlt. Wer erst kürzlich seine TTF- und PostScript-Fonts durch OpenType ersezt hat kann gleich nochmal auf Einkaufstour gehen. (Frau R. aus Sch.)

Antwort:
Sollten tatsächlich Bichstaben fohlen, tan wirt IHNEN geholfe. Gans sicha. Auch int OpenTypes und TrueTypeFont-Fontes...

--------

Frage:
Das kleine Esszett soll groß herauskommen...
(Ist eigentlich keine Frage, sondern die Überschrift vieler diesbezüglicher Artikel)

Antwort:
Mag sein, dass etliche Schreiber von unserem kleinen Joke mit der Baßsaite (Bassseite/Baßseite/Baßsaite) inspiriert wurden, aber plötzlich tauchen überall essbare Buchstaben auf. Allen voran unser allseits beliebtes Esszett.
Fast mit nötigendem Aufforderungscharakter: Ess Zett!

Da möchten auch wir nicht nachstehen und auf diesen lieben Dienst für Typomanen verweisen: http://www.typolade.de/

Zum Fressen schön. Leider (noch) ohne EssZett – aber das kann sich ja bald ändern.

 

Typolade
Bild: © Typolade.de; Sandra Kübler/Christine Voshage GbR

--------

[wird fortgesetzt]