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Informationen zur Prillwitz

Beflügelt durch große Entdeckungen der Archäologie und durch die Übersetzungen klassischer Autoren, schwärmte das gebildete Bürgertum von griechischen und römischen Idealen der Ästhetik.

 

Die Schwärmerei für die Altertümer Griechenlands und Roms lebte im 18. Jh. heftig auf und wurde geteilt von Goethe und seinen Zeitgenossen, »das Land der Griechen mit der Seele suchend«. Alle heute als »Deutsche Klassiker« bezeichneten Literaten dieser Zeit griffen auf griechische Themen zurück, man denke nur an Schiller und Wieland.

 

 Schrift-Probe von Prillwitz 1790

Die Werke Wielands wurden bei Göschen in Leipzig verlegt. Göschen verwendete Schriften, die ein bis dahin unbekannter Schriftschneider aus Jena für ihn fertigte und schuf mit diesen Schriften Werke, die als Meisterleistungen klassizistischer deutscher Typographie ohne Übertreibung neben den Werken Didots und Bodonis stehen können. Dieser Unbekannte war Johann Carl Ludwig Prillwitz.

 

Prillwitz veröffentlichte seine Schriften erstmalig am 12. April 1790. Dieses Datum ist insofern bedeutsam, weil es über zehn Jahre vor Walbaum geschehen ist.  Prillwitz führte eine sehr erfolgreiche Gießerei. Als aber auch das letzte seiner 7 Kinder kurz vor Vollendung der Volljährigkeit starb und somit alle Hoffungen auf ein Weiterführen seiner Arbeiten zunichte gemacht wurden, verließ Prillwitz jede Lebenslust; er starb selbst ein halbes Jahr später. Seine Frau folgte ihm kurze Zeit später nach.

 

Die Prillwitz wurde als digitale Schrift in drei echten optischen Größen (Book, Regular und Display) angelegt. Der als NP (NewsPrint) bezeichnete Schnitt ist speziell für einen Druck in kleinen Größen auf Zeitungspapier geschaffen und wurde aus der Display entwickelt. Für die Regular – und stärker noch die Book – wurde eine weiche und sehr lesefreundliche Outline durch eine s. g. Verschmitzung erreicht und in zahlreichen Testdrucken optimiert. Die Scharfkantigkeit und der übliche maximale Strichstärkenkontrast bekannter klassizistischer Schriften (Didot, Bodoni) wurde durch das Studium der originalen Drucke zugunsten einer sehr guten Lesbarkeit auch in kleinen Schriftgraden überarbeitet.

 

Diese Schrift eignet sich vorzüglich für wissenschaftliche und belletristische Werke. Sie hat jeweils drei Stile: Regular und als Auszeichnungsstile Bold und Kursiv.

 

Die Prillwitz ist eine komplette Neuinterpretation und Weiterentwicklung der in der Deutschen Bibliothek Leipzig erhaltenen Originale aus dem Jahre 1790. Es wurde stets versucht, die kraftvolle Rauheit bei gleichzeitiger Optimierung der Lesbarkeit dieser markanten Schrift zu erhalten.

 

Die Schrift-Familie enthält alle wichtigen Zeichen für effizientes und typographisch hochwertiges Arbeiten: Kapitälchen mit entsprechenden Ziffern in Kapitälchenhöhe (tabellarisch und proportional), Minuskel- und Mediävalziffern (tabellarisch und proportional), Bruchziffern und einen kompletten Akzentsatz für alle lateinischen Schriften.