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Informationen zur Toshna

„Ich wollte eine Werkschrift entwerfen, eine Buch-Antiqua auf klassischer Grundlage zwar, doch für unsere Zeit. Nicht modisch, aber mit neuen Elementen und Formen, dabei schön, klar, gut lesbar.“

 

Mit diesen Worten beschrieb Hellmuth Tschörtner seine Schrift, die Tschörtner-Antiqua, die 1955 für den Handsatz und für die Linotype Setzmaschine (Magazinmatrize) erschien. Es sollte leider die einzige Satzschrift des Ge­brauchs­grafikers und Buchgestalters bleiben. Neben dem aufwendigen Neuschnitt der allseits gelobten Garamond von Herbert Thannhaeuser, war sie eine der ersten neuen Werkschriften der DDR. Stilistisch bewegt sich der Entwurf ganz im Zeitgeist zuvor veröffentlichter Schriften von Hermann Zapf und Georg Trump.

 

Als gefühlvolle Neuinterpretation und vorsichtige Wei­ter­entwicklung stellt sich die Toshna vor. Sie wurde völlig neu gezeichnet und bietet drei echte optische Schriftgrößen. Der Schriftgrad für Titel­anwendungen (Display) ist sehr schlank, schmal und grazil. Das Design für die kleinen Schriftgrößen (Book) ist wesentlich breiter, runder und mit kräftig ausgeprägten Details gezeichnet. Die Punktuationszeichen und Akzente wurden strikt für den Werksatz angepaßt, sie sind wesentlich größer und besser lesbar angelegt. Der erfahrene An­wender bemerkt die ökonomische Laufweite und das große Bild der Schrift, was sie für den wirtschaftlichen und augenfreundlichen Satz langer Texte qualifiziert. Im Gegensatz zu klassischen Vorbildern weist die Kursive eine nur mäßige Schräglage auf. Ihr Stil ist eher kalligraphisch und eine wirkliche Bereicherung. Dem Anwender bietet sie zusätzliche f und lang-s Ligaturen an. Zusätzlich wurden alle Schnitte der Schrift mit Kapitälchen, Kapitälchenziffern, Minuskel- und Versalziffern, römsichen Ziffern, dynamischen Brüchen und allen Zeichen nach dem GTF [PRO] Standard in OpenType ausgebaut. Mit den Toshna Fonts lassen sich die meisten lateinisch verschrifteten Sprachen Europas setzen.

 

Doch was sagt die Toshna über sich selbst? Bestellen Sie bitte schon einmal zwei Kaffee!

 

 

Besprechungen

 

08.2008 Ralph Berger @ druckschriften.de

01.2008 Peter Reichard @ spatium.de

01.2008 Jürgen Siebert @ fontblog.de

06.2007 Claudia Elsäßer @ aurum-media.de

 

 

 

 Hellmuth Tschörtner wurde am 1. September 1911 in See bei Niesky (Sachsen) geboren. Er war ein sehr gefragter Grafiker und Buchgestalter. Bei Fred Gravenhorst in Leipzig begann er 1931 seine gebrauchsgrafische Ausbildung. Ende 1932 siedelte er in das böhmische Reichenberg (Liberec) um. Dort arbeitete er für das Deutsche Theater als Grafiker und Bühnenbildner. Ab 1935 besuchte er für vier Semester die lokale Kunstschule.

 

Gegen Ende 1938 kehrte er nach Leipzig zurück. Hier fand er kurzzeitig eine Anstellung bei der Kunstanstalt G. Rebner & Co. und belegte ein Abendstudium an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe. Im Jahr 1940 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Nach den Kriegsjahren konnte er seine freibe­ruf­liche Tätig­keit wieder aufnehmen. Besonders seine sorgfältig gezeichneten und repräsentativen Titelschriften fanden Anerkennung, wovon zahlreiche typografische Grußkarten des Oberlausitzer Kunstverlags noch heute Zeugnis ablegen. Angeregt durch Horst Erich Wolter begann er mit den Arbeiten an einer Werkschrift, die 1955 als Tschörtner-Antiqua erschien. Als Buchgestalter arbeitete er viele weitere Jahre für die Verlage Insel, Kippenberg, List, Neumann und Edition. Für seine Arbeit zeichnete ihn die Stadt Leipzig 1973 mit dem Gutenberg-Preis aus. Hellmuth Tschörtner starb im Alter von 67 Jahren am 3. April 1979 in Leipzig.